Freitag bin ich nach dem Meeting allein ein bisschen in der Stadt herumgelaufen. Erst fiel mir die Orientierung schwer, aber dann kam alles Stück für Stück zurück. Am besten konnt ich mich an die Orte erinnern, wo ich gegessen hab ;-) Melbourne hat eine ganz andere Atmosphäre als Sydney. Irgendwie ruhiger. Es gibt mehr Fahrradfahrer (definitiv ein Plus) und mehr alte Häuser und Museen (auch ein Plus). Dafür hat Melbourne recht schmutziges Wasser durch die viele Industrie und den Hafen, keine schönen Strände in der Nähe und ein sehr extremes Klima (im Winter sehr kalt und regnerisch, im Sommer bis zu 40 Grad). So war es auch, echt richtig kalt und windig, wie Ihr an meinem Mantel seht. Naja, ich will Euch einfach mal die Illusion nehmen, dass Australien immer warm bedeutet, das tut es nämlich nicht.
Als ich so am Wasser langlief (da gibts sogar Pinguine), hab ich mir so Gedanken gemacht. Ich finde es so krass, wie sich ein Leben verändern kann und die Situation, in der man ist. Vor 5 Jahren kam ich in dieses Land ohne Job, ohne Einkommen, hab mir das Zimmer mit 6 anderen im Hostel geteilt. Und jetzt bin ich zurück, laufe die gleichen Straßen, sehe die gleichen Häuser und Geschäfte, fahre in der gleichen Straßenbahn, kaufe mir den gleichen superaussehendenaberschlechtschmeckenden Kuchen, aber hab einen Job, Geld, eine Wohnung, lebe hier. Das hätte ich damals wirklich nicht geahnt. Ich denke, es zeigt, dass ich Glück hatte, und an gewissen Kreuzungen den richtigen Weg eingeschlagen hab. Aber es zeigt auch, dass man erreichen kann, was man möchte, auch wenn es noch so weit weg scheint. Wenn man daran glaubt und seinen Träumen folgt.
Ich bin mir sicher, dass noch viele Widrigkeiten hier auf mich warten. Aber ein Rückflugticket kann ich immer kaufen. Werde ich auch, wenn die Zeit kommt. Dann werde ich nach Hamburg zum "Schweinske" gehen und eine Ofenkartoffel mit Sour Creme essen, alle Freunde anrufen, wenn mir danach ist und ich nicht mehr die Zeit ausrechnen muss, meine kleine Nichte knuddeln, meine grünen Chaoten Schnucki und Frodo erziehen, am Plauer See Barsche angeln, Talkshows, GZSZ und Phoenix gucken, Nektarinen mit Quark essen, überall mit meinem Rad hinfahren und nicht als Exot gelten, Rouladen mit Klößen und Rotkohl bestellen, Mineralwasser mit Sprudel trinken, in alte Kirchen gehen, ein Butterbrot essen, Deutsch sprechen, die Heizung voll aufdrehen, in die Badewanne steigen, Auto fahren, Bilder an die Wand machen, gute Gespräche bei einer warmen Tasse Tee führen.
Wenn Ihr diese Dinge tut, denkt an mich. Die fehlen mir am meisten. Damit Ihr mich nicht immer nur im dicken Mantel seht, hier ein kleines Abschiedsbildchen von heute.
Machts gut und genießt das Leben.
2 comments:
You accentuate the positive so well. I think about myself a decade ago, too, and all the things I've seen and done since . . . you're right, life's pretty damn good.
Glad, you think so, too. Life is there to make the best of it. With all highs and lows. Glad also, that my blog makes sense in English.
Hope you are well...
Dagi
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