Wohnungssuche in Sydney

Man muss sich als Deutscher arrangieren mit den australischen Gesetzen und Gepflogenheiten. Dazu gehört, dass  der Vermieter immer die stärkeren Rechte hat als der Mieter. Letztere stehen gefühlt unter Generalverdacht, als Mietnomaden eine Wohnwüste zu hinterlassen, daher darf man per Vertrag oft nicht mal Bilder an der Wand anbringen - weder mit Nägeln, noch Posterstrips. Der Mietvertrag geht über eine Maklergesellschaft, die gleichzeitig Ansprechpartner bei Reparaturen etc. ist. Der Vertrag wird für mindestens ein halbes Jahr, oft jedoch über 1 Jahr abgeschlossen, auch hier bestimmt die hohe Nachfrage in Sydney nach gutem, sauberen Wohnraum das Machtverhältnis Makler-Interessent. Bei einer Wohnungsbesichtigung in einer zugegebenermaßen sehr netten, grünen Gegend unweit des Hafens reihte ich mich in eine Menschenkette von circa 50 Personen im Treppenflur ein! Alle beäugen sich misstrauisch, schauen sich auf die Klamotten, den Schmuck...hat der oder die  dem Makler mehr anzubieten? Gern gehen Wohnungen an solchen Terminen auch unter der Hand weg, gegen eine kleine Anzahlung in Freundschaft sozusagen.

Samstags und Mittwochs sind die Besichtigungstage, und genau die sollte man meiden und möglichst vorher anrufen, ob man einen Einzeltermin haben kann. Oft entgeht man so dem Konkurrenzkampf. Hat man sich in eine Wohnung verliebt, muss man sich bewerben. Der deutsche Schufa-Nachweis ist ein Klacks gegen den Informationshunger der Vermieter in Australien. Wo arbeitet man und wieviel verdient man (Arbeistvertrag bitte). Wer ist der Chef (Referenzen bitte) - dieser wird tatsächlich angerufen. Wie hat man vorher gehaust (Vormieter mit Name und Anschrift) - auch der wird  angerufen, wenn man sein schriftliches Führungszeugnis nicht schon mitbringt. Ach ja - Achtung bei Haustieren. Während es in Deutschland überall erlaubt ist, Kleintiere wie Hamster oder Wellensittiche zu halten, sind die Australier sehr streng. In Mietwohnungen ist Tierhaltung fast immer untersagt; besonders Hundebesitzer haben es daher schwer. Das gilt übrigens auch für Hotels und Pensionen.

Hat man diese Hürde überstanden und den Vertrag in der Tasche, kauft man am besten gleich mal einen elektrischen Heizkörper, da die Winter in New South Wales (Sydney) und South Australia (z.B. Melbourne) sehr kalt werden können. Die Häuser sind schlecht isoliert und halten die Wärme nicht gut. Es ist wichtig, Zusatzkosten für Wasser, Strom und ggfs Gas auf den Mietpreis anzurechnen, so dass man nicht in die Kostenfalle tappt. Mieten werden grundsätzlich wöchentlich angegeben, aber man kann monatlich zahlen. Der Faktor liegt bei etwa 4,2. Auch Breitbandinternet kann man bestellen (Dauer ca. 3-4 Wochen), das jedoch um einiges teurer ist als in Deutschland. Hatte man hier schon seit Jahren Flatrates im Angebot, war das in Australien 2008 noch ein Novum und mit 100$/Monat ein teures Vergnügen.

Man sollte sich genau überlegen, wie lange man sich an die Wohnung per Vertrag binden möchte. In meinem Fall wollte ich ein halbes Jahr früher aus dem Vertrag und hatte immense Probleme mit den Maklern. Per Gesetz ist man nämlich verpflichtet, die Miete so lange weiterzuzahlen, bis ein Nachmieter gefunden wurde. Die Makler lassen es dann sehr ruhig angehen, haben sie doch keinen Anreiz, tätig zu werden. So kann es sich Monate hinziehen und man kann Tausende Dollar zahlen, obwohl man längst nicht mehr dort wohnt. Zieht man ganz weg aus der Gegend, empfiehlt es sich, einen Freund oder Bekannten abchecken zu lassen, ob die Wohnung nicht doch schon weitervermietet ist - Doppeleinnahmen sind zu verlockend.

Alles in allem kann ich sagen, dass man als Deutscher in Australien die Mieterschutzgesetze, die hierzulande gelten, vergessen sollte, sonst scheitert man vor lauter Frust. Plant man den endgültigen Ausstieg aus Deutschland, macht es vielleicht sogar eher Sinn, einen Hauskredit abzubezahlen, da die Mieten für Wohnraum sehr hoch sind und der Häusermarkt sehr dynamisch ist. Verkaufen kann man also immer, sofern die Gegend okay ist.

Als gute Wohngegenden in Sydney gelten Surry Hills, Paddington, Balmain (alle Mitte), Cammeray, Mosman, Cremorne, Neutral Bay, Manly (alle Norden), Coogee und Rose Bay (Süden).

Je weiter westlich man kommt, desto unattraktiver, aber auch günstiger die Wohngegenden.

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