Die Entscheidung auszuwandern...

...ist keine leichte. Zwischen Deutschland und Australiens Metropole Sydney liegen etwa 16.000 Kilometer und bis zu 10 Stunden Zeitunterschied im deutschen Winter! Ein Umzug in das Land, welches für viele das Land der Träume ist, ist sprichwörtlich ein Umzug um die halbe Welt und mit dementsprechenden Konsequenzen verbunden. Ob man als Familie oder alleine auswandern möchte, ist es wichtig, sich zuvor einige Fragen zu beantworten:

  1. Fliehe ich vor etwas in Deutschland oder verfolge ich tatsächlich meinen Traum?
Hierbei fällt mir ein Zitat eines dt. Schrifstellers namens Günter Kunert ein: „Wohin auch immer wir reisen, wir suchen, wovon wir träumten, und finden doch stets nur uns selbst.“ Ich denke, in diesen Worten steckt viel Weisheit. Man kann noch so weit weggehen, sich selbst, seine Gedanken, Gefühle, Ängste, Erfolge und Niederlagen, sprich seine Erfahrungen, nimmt man immer mit. Wenn das einzige Motiv des Auswanderns die Hoffnung ist, irgendwie lösen sich alle Probleme, die man in Deutschland hatte, in Luft auf, so ist das ein folgenschwerer Irrtum und führt zwangsläufig zu Frustration nach Ankunft in Australien. Auch hier muss man den Alltag meistern, Geld verdienen, Kontakte knüpfen. Zudem sollte man sich fragen, ob man damit umgehen kann, Familie und Freunde eine lange Zeit, ggfs. jahrelang, nur über Skype zu sehen. Auch in Deutschland wird das Leben weitergehen, an dem man dann nur noch eingeschränkt Anteil haben kann. Es ist daher wichtig, den Traum kritisch unter die Lupe zu nehmen - das heißt nicht, ihn aufzugeben.


      2.  Übersteht die Liebe den ersten Realitäts-Check?


Ich habe einen Bekannten, der mit Familie nach Sydney ausgewandert ist, ohne je in Australien gewesen zu sein. Er hatte einen tollen Job, was vieles einfacher macht; dennoch rate ich meinen Lesern zu mehr Vorbereitung :). Als ich als Auswanderer nach Sydney kam, hatte auch ich bereits eine Jobzusage. Dennoch waren die ersten Wochen komplett anders, als ich sie mir vorgestellt (und gewünscht) hatte! Es ist tatsächlich etwas völlig anderes, Urlaub zu machen in einem Land, frei zu sein, zu reisen, zu entdecken, als sich mit Formalitäten und Alltagskram herumschlagen zu müssen. Das fängt mit der Wohnungssuche an (siehe extra Blogpost) und hört beim DSL-Anschluss auf (fragt nicht). Man muss nicht alles genau wissen, bevor man da ist; man wächst ja schließlich auch an den Herausforderungen. Mein Punkt ist, kannst Du Dir vorstellen, das Land noch zu lieben, wenn Du Dich frustriert mit Gesetzen, Regeln, Gepflogenheiten auseinandersetzen musst? Aller Anfang ist schwer, auch meiner war es, aber daraus wurde die Liebe nur noch größer...wie in einer guten Ehe eben, oder ;)?


       3.  Bist Du bereit, Dich zu öffnen?


Meiner Erfahrung nach gibt es 2 Extreme bei Auswanderern: die einen stürzen sich in das neue Leben  und streifen ihr altes wie eine Haut ab. Das sind oft die, die ich oben als "Flüchtende vor sich selbst" beschrieben habe. Sie wollen nicht mehr deutsch sein, nicht mehr deutsch sprechen, nicht mehr deutsch essen oder auch nur irgend etwas an sich haben, was sie als deutsch entlarvt. Das andere Extrem sind diejenigen, die nicht loslassen können, die erst in Australien ihr Deutschsein nach außen tragen, mit Sätzen wie "We Germans..." oder "In Germany we...". Natürlich ist dort alles besser und schöner gewesen . Die meisten Auswanderer jedoch machen Phasen durch. Es ist normal, sich nach einem so großen Lebenseinschnitt auf das Bekannte und Vertraute zu konzentrieren - das gibt Halt und Sicherheit. Nach einigen Monaten und ersten Kontakten in der neuen Heimat schlägt es oft in Euphorie um, man will dazugehören und lässt sich voll auf die neue Kultur ein. Dann wiederum kommen Phasen von Heimweh, wenn beispielsweise ein Ereignis in Deutschland eintritt oder an Feiertagen wie Weihnachten. Das ist normal! Wichtig ist, dass man bereit ist, sich für die neue Kultur zu öffnen, ohne sich zu zwingen, seine eigene aufgeben zu müssen. Integration ist hier das Stichwort - Australien ist ein Land von Einwanderern, fast alle sind einmal fremd gewesen in diesem Land. Ich rate jedem, sich Zeit zu lassen mit der Umstellung - meist helfen erste Freunde vor Ort besser als jedes Ratgeberbuch.

No comments: